
Reserviert und nicht gekommen: Was ein leerer Stuhl wirklich kostet
Ein freier Tisch sieht harmlos aus. In Wahrheit läuft für jeden leeren Platz die Uhr – mit Miete, Lohn und Strom.
Von Amed F. Kavak, Gründer GastroLaunch · Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit
Kurze Antwort
Die Fixkosten eines Restaurants laufen, ob Gäste da sind oder nicht. Teilt man sie auf alle Plätze und Öffnungsstunden, erhält man die Kosten pro Platz und Stunde. Jeder leere Platz – etwa durch No-Shows – ist bezahlte Fläche ohne Umsatz.
Samstag, 19:30 Uhr. Der Tisch für sechs ist gedeckt, die Kerze brennt, zwei Anfragen wurden abgelehnt. Um 20:15 Uhr ist klar: Die Gruppe kommt nicht. Kein Anruf, keine Absage.
Ein leerer Platz ist nie gratis
Miete, Grundlöhne, Versicherungen und Energie laufen jede Stunde weiter. Ob der Stuhl besetzt ist oder nicht, ändert an diesen Kosten nichts – nur am Umsatz.
Leerer-Stuhl-Rechner
Kosten pro Platz und Stunde
CHF 2.46
egal ob besetzt oder leer
Fixkosten, die leere Plätze pro Monat tragen
CHF 14'400
Startwerte sind Annahmen für ein Rechenbeispiel. Setze deine monatlichen Fixkosten (ohne Wareneinsatz) ein.
Ein leerer Tisch hat zwei verschiedene Rechnungen
Die erste Rechnung betrifft laufende Kosten: Fläche, Personal und Betrieb sind geplant, auch wenn niemand sitzt. Die zweite betrifft eine verpasste Verkaufschance: Vielleicht hättest du den Tisch an andere Gäste vergeben können. Beides ist relevant, aber es ist nicht dieselbe Zahl.
Der Rechner verteilt monatliche Fixkosten auf Plätze und Öffnungsstunden. Er zeigt damit eine Kostenverteilung, keinen nachgewiesenen Schaden durch No-Shows. Leere Plätze können auch durch schwache Nachfrage entstehen. Zudem sind nicht alle Kosten in jeder Stunde gleich und ein freier Platz hätte nicht zwangsläufig einen zahlenden Gast gefunden.
Ein No-Show ist besonders ärgerlich, wenn andere Gäste genau diesen Tisch gern gebucht hätten.
Was die Startwerte zeigen – und was sie nicht zeigen
Bei angenommenen CHF 32'000 Fixkosten, 50 Plätzen und 260 Öffnungsstunden ergeben sich rund CHF 2.46 pro Platz und Stunde. Bei 55 % durchschnittlicher Auslastung ordnet das Modell CHF 14'400 der Fixkosten den unbesetzten Plätzen zu. Diese Werte sind ein Rechenbeispiel, keine Erhebung über Schweizer Restaurants.
Die CHF 14'400 sind weder automatisch vermeidbar noch eine Umsatzprognose. Für eine entgangene Verkaufschance brauchst du zusätzlich den erwarteten Bon, die Aufenthaltsdauer und die variablen Kosten. Ein höherer Umsatz wäre ebenfalls noch kein zusätzlicher Gewinn in gleicher Höhe.
Volle Samstagabende können leere Wochenstunden verdecken
Ein Blick um 20 Uhr sagt wenig über die gesamte Woche. Vielleicht ist das Lokal am Samstag ausgebucht, am Dienstag aber fast leer. Darum lohnt sich eine Auswertung nach Wochentag und Servicezeit statt nur einer durchschnittlichen Monatszahl.
Notiere für vergleichbare Zeitfenster verfügbare Plätze, belegte Plätze, Aufenthaltsdauer und Umsatz. Frage dann: Fehlt Nachfrage, passt das Angebot nicht zur Uhrzeit oder halten Reservationen Plätze unnötig lange frei? Diese Fragen führen zu unterschiedlichen Massnahmen.
Ein guter Reservationsprozess beginnt vor der Erinnerung
- Korrekt bestätigen: Datum, Uhrzeit, Personenzahl und Kontakt müssen eindeutig sein.
- Absage einfach machen: Eine verständliche Möglichkeit zur Änderung ist wichtiger als ein langer belehrender Text.
- Freundlich erinnern: Eine Erinnerung kann vergessene Reservationen vermeiden. Ob sie wirkt, lässt sich im eigenen Betrieb messen.
- Verspätungen klären: Kommuniziere, wie Gäste sich melden sollen und wie lange ein Tisch nach deiner Regel reserviert bleibt.
- Eine Warteliste pflegen: Wenn sich ein Tisch löst, kannst du interessierte Gäste fragen, statt auf Zufall zu hoffen.
Erinnerungen sollten zur Reservation passen, nicht ungefragt zur Werbung werden. Nutze Kontaktdaten zweckgebunden und halte deine Kommunikation kurz und hilfreich.
Anzahlung oder No-Show-Gebühr: kein Ersatz für klare Bedingungen
Bei grossen Gruppen oder aufwendigen Menüs kann eine Absicherung prüfenswert sein. Entscheidend ist, dass Gäste vor der Buchung verständliche Bedingungen sehen und ihnen zustimmen können. Lege fest, welche Fristen, Beträge und Ausnahmen gelten und wie du mit rechtzeitigen Änderungen umgehst.
Eine pauschale Aussage, jede Gebühr sei immer durchsetzbar, wäre unseriös. Lass konkrete Bedingungen und deren rechtliche Umsetzung qualifiziert prüfen. Auch die praktische Seite zählt: Ein überraschender Betrag nach dem Essen kann Vertrauen beschädigen, selbst wenn du damit eine echte Lücke ausgleichen möchtest.
Ruhige Zeiten füllen, ohne die Marge zu verschenken
Rabatte sind nicht die einzige Möglichkeit. Prüfe ein Angebot, das zum Zeitfenster passt: ein zügiges Mittagessen, eine kleine Karte am frühen Abend oder klar kommunizierte Öffnungszeiten. Ein Angebot ist nur sinnvoll, wenn die Nachfrage und der Aufwand zusammenpassen.
Bevor du länger öffnest, rechne zusätzliche Personal- und Betriebskosten gegen den erwarteten Beitrag. Im Artikel 100 Gäste und trotzdem Verlust geht es genau um den Unterschied zwischen Betrieb und Gewinn. Der Break-even-Rechner hilft bei der Kostendeckung.
Dein nächster Schritt: eine Woche, drei Kennzahlen
- Reservationen und No-Shows: Erfasse die tatsächlichen nicht erschienenen Gruppen getrennt von anderen freien Plätzen.
- Auslastung nach Service: Vergleiche Mittag und Abend sowie schwache und starke Tage.
- Bon und Aufenthaltsdauer: Prüfe, wie dein Platzangebot zum Konzept passt.
Mit dem Ratgeber Gäste pro Tag berechnen findest du die notwendige Gästezahl. Planst du neu, hilft der Gastro-Planer, Fläche und Konzept gemeinsam zu betrachten, statt möglichst viele Stühle aufzustellen.
Fazit: Nicht jeder leere Stuhl braucht einen Rabatt
Manche Lücken lassen sich mit besseren Reservationen vermeiden, andere brauchen ein passenderes Angebot oder realistischere Öffnungszeiten. Trenne diese Ursachen, bevor du handelst. Ein gut genutztes Restaurant beginnt nicht bei der Zahl der Tische, sondern bei einem Konzept, das zur Nachfrage passt.
Wie viele Plätze braucht dein Restaurant wirklich?
Der Gastro-Planer rechnet Fläche, Plätze und Ausstattung für dein Konzept durch.
Restaurant planenHäufige Fragen
Was ist ein No-Show?
Ein Gast reserviert einen Tisch und erscheint ohne Absage nicht.
Darf ein Restaurant eine No-Show-Gebühr verlangen?
Ob und wie eine Gebühr vereinbart und durchgesetzt werden kann, hängt von den konkreten Bedingungen ab. Kommuniziere sie vor der Buchung und lass sie rechtlich prüfen.
Wie reduziert man No-Shows?
Erinnerung per SMS oder E-Mail am Vortag, einfache Absagemöglichkeit und bei grossen Gruppen eine Anzahlung.