
Warum kostet ein Kebab in der Schweiz so viel?
Ein zweistelliger Preis an der Theke – aber was bleibt davon? Wir schauen hinter den Spiess: Zutaten, Betriebskosten und die entscheidende Zahl verkaufter Portionen.
Von Amed F. Kavak, Gründer GastroLaunch · Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit
Kurze Antwort
Der Preis eines Kebabs bezahlt nicht nur Fleisch und Brot. Auch Löhne, Miete und Energie müssen gedeckt sein. Was pro Stück bleibt, hängt von Einkauf, Verkaufspreis und verkaufter Menge ab. Der Rechner zeigt die Zusammenhänge mit frei veränderbaren Beispielwerten.
Stell dir einen Freitag um 23 Uhr vor: Die Schlange reicht bis aufs Trottoir, der Spiess dreht sich, ein Kebab nach dem anderen geht über die Theke. Sieht nach einer Goldgrube aus. Doch eine volle Kasse beantwortet noch nicht die wichtigste Frage: Was bleibt nach Einkauf, Lohn und Miete?
Was wirklich in einem Kebab steckt
Fleisch, Brot, Salat und Sauce sind nur ein Teil der Rechnung. Der Verkaufspreis muss auch Mitarbeitende, Miete, Strom für Grill und Lüftung, Versicherungen und die Abzahlung der Einrichtung decken. Genau diesen Anteil vergessen viele, wenn sie über «teure» Kebabs schimpfen.
Kebab-Rechner: Was bleibt pro Stück?
Gewinn pro Kebab
CHF 2.32
18 % vom Verkaufspreis
Ware & Verpackung
CHF 4.35
MwSt an den Staat
CHF 0.33
Alle Startwerte sind Annahmen für ein Rechenbeispiel, keine Marktdaten. Trage deine eigenen Einkaufspreise und Kosten ein.
Die entscheidende Zutat steht nicht auf der Speisekarte
Zwei Imbisse verkaufen den gleichen Kebab zum gleichen Preis. Trotzdem kann der eine rentabel sein und der andere Geld verlieren. Der Unterschied liegt nicht zwingend am Fleisch: Er kann in der Miete, den Öffnungszeiten, der Besetzung während ruhiger Stunden oder der Zahl der tatsächlich verkauften Portionen liegen.
Stell dir als vereinfachtes Rechenbeispiel CHF 600 Tageskosten für Personal, Raum und Betrieb vor. Bei 100 verkauften Kebabs entfallen CHF 6 auf jedes Stück. Bei 200 sind es CHF 3. Das gilt nur, solange diese Kosten gleich bleiben. Brauchst du für die grössere Menge eine zweite Schicht, steigt auch der Kostenblock. «Mehr verkaufen» hilft also nicht automatisch unbegrenzt.
Nicht der volle Spiess zeigt, ob ein Imbiss verdient. Entscheidend ist, was nach einem ganzen Betriebstag übrig bleibt.
So liest du den Kebab-Rechner richtig
Beginne nicht mit dem Wunschpreis, sondern mit deiner Rezeptur: Wie viel Fleisch landet tatsächlich in einer Portion? Was kosten Brot, Gemüse und Sauce im Einkauf? Teile eine Lieferantenrechnung durch die nutzbare Menge – nicht durch das Gewicht inklusive Verpackung oder unverwendbarer Teile.
Der Rechner berücksichtigt pauschal CHF 0.25 Verpackung und den reduzierten MwSt-Satz für das hier gewählte Take-away-Beispiel. Der letzte Regler bündelt Personal, Miete und Energie pro Stück. Für deinen Betrieb musst du diesen Betrag aus deinen Kosten und der realistischen Absatzmenge ableiten. Das Ergebnis ist eine vereinfachte Modellrechnung, kein geprüfter Jahresgewinn; Finanzierung, Abschreibungen oder weitere Kosten müssen gegebenenfalls zusätzlich berücksichtigt werden.
Billiger werden – oder besser erklären, was der Gast bekommt?
Ein tiefer Preis kann Aufmerksamkeit bringen. Er kann aber auch dazu führen, dass du für dieselbe Kostendeckung viel mehr Portionen verkaufen musst. Prüfe deshalb vor einem Rabatt, ob deine Küche diese zusätzliche Menge überhaupt bewältigt. Eine lange Schlange bringt wenig, wenn Gäste wieder gehen oder die Qualität unter Zeitdruck leidet.
Die Alternative ist nicht einfach «teurer». Sie ist ein verständliches Angebot: klare Portionsgrösse, sichtbare Zubereitung, nachvollziehbare Zutaten und ein verlässlicher Ablauf. Ein Gast sollte erkennen können, wofür er bezahlt. Behaupte regionale Herkunft oder besondere Qualität nur dann, wenn du sie tatsächlich belegen kannst.
Drei unterschätzte Hebel hinter der Theke
- Die Mittagsspitze durchspielen: Wer kassiert, wer belegt, wer verpackt? Beobachte, wo Bestellungen stocken. Ein besserer Ablauf kann wertvoller sein als ein zusätzliches Gerät.
- Menüs separat rechnen: Ein Getränk erhöht den Bon, aber auch Einkauf und gegebenenfalls Steuern. Kalkuliere das komplette Menü im Profit-Rechner, statt zusätzliche Verkäufe mit zusätzlichem Gewinn gleichzusetzen.
- Schwund sichtbar machen: Notiere nicht verkaufte Ware und zu gross geratene Portionen. Unser Artikel über Food Waste im Restaurant zeigt, wie kleine Verluste über das Jahr wirken.
Bevor du einen eigenen Imbiss eröffnest: diese fünf Fragen
- Wie viele zahlende Gäste brauchst du pro Tag, damit alle Kosten gedeckt sind?
- Kommen die Passanten genau dann vorbei, wenn du geöffnet hast?
- Sind Lüftung, Kühlung und Arbeitsabläufe am Standort machbar?
- Ist dein eigener Arbeitseinsatz in der Rechnung enthalten?
- Was passiert, wenn die ersten Monate schwächer ausfallen als geplant?
Mit dem Break-even-Rechner prüfst du die notwendige Verkaufsmenge. Der Ratgeber Take-away-Standort finden hilft dir, Frequenz nicht mit Kundschaft zu verwechseln. Für die Ausstattung führt dich der Geräte-Generator von der Idee zur ersten Liste.
Fazit: Der Kebab-Preis ist nur die halbe Geschichte
Ob CHF 10 oder CHF 15 angemessen sind, lässt sich ohne Portion, Standort und Betriebskosten nicht beantworten. Für Gäste lohnt sich der Blick hinter die Theke. Für Gründer lohnt sich die Rechnung vor dem Mietvertrag. Die wichtigste Frage lautet nicht «Wie günstig kann ich sein?», sondern «Wie liefere ich ein gutes Produkt zu einem Preis, von dem mein Betrieb leben kann?»
Du willst selbst einen Imbiss eröffnen?
Der Richtpreis-Rechner zeigt dir in 2 Minuten, was Grill, Lüftung und Ausbau kosten.
Richtpreis berechnenHäufige Fragen
Welche MwSt gilt für einen Kebab zum Mitnehmen?
Für Speisen zum Mitnehmen gilt in der Schweiz der reduzierte Satz von 2,6 %. Wird vor Ort an Tischen gegessen, gilt der Normalsatz von 8,1 %.
Warum ist Kebab in Deutschland günstiger?
Löhne, Mieten und viele Einkaufspreise sind in der Schweiz höher. Diese Kosten stecken in jedem verkauften Stück.
Lohnt sich ein eigener Kebab-Imbiss?
Er kann sich lohnen, wenn Lage, Menge und Kosten stimmen. Rechne vor dem Start Investition und Break-even durch.