
CHF 4.80 für einen Kaffee: Wie viel verdient ein Café wirklich daran?
Ein Cappuccino gilt als das profitabelste Produkt der Gastronomie. Auf dem Papier stimmt das. Im Café sieht die Rechnung anders aus.
Von Amed F. Kavak, Gründer GastroLaunch · Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit
Kurze Antwort
Das Material für eine Tasse – Bohnen, Milch, eventuell Becher – macht meist nur einen kleinen Teil des Preises aus. Der grosse Rest bezahlt aber Barista-Zeit, Miete, Maschine und Leerlauf. Entscheidend ist darum nicht die Marge pro Tasse, sondern wie viele Tassen pro Tag verkauft werden.
Ein Cappuccino für CHF 4.80. Darin stecken achtzehn Gramm Kaffee und ein Schluck Milch. Rechnet man nur das Material, wirkt der Preis fast frech. Und doch schliessen jedes Jahr Cafés, die genau so kalkuliert haben.
Was in der Tasse steckt
Der Materialanteil pro Tasse ist tatsächlich klein. Je nach Bohnenqualität und Rezept bleibt nach Kaffee und Milch der grösste Teil des Nettopreises übrig. Das ist der Teil, der die Café-Branche so verführerisch macht.
Was nicht in der Tasse steckt
Die Barista, die zwei Minuten pro Getränk an der Maschine steht. Die Miete für die Theke in guter Lage. Die Siebträgermaschine, die abgeschrieben und gewartet werden will. Und vor allem: die ruhigen Stunden, in denen niemand bestellt, aber alles bezahlt werden muss.
Kaffee-Rechner: Was bleibt pro Tasse?
Bleibt pro Tasse nach Material & MwSt
CHF 3.60
Material = 19 % vom Nettopreis
Material pro Tasse
CHF 0.84
Pro Tag für alle übrigen Kosten
CHF 540
Startwerte sind Annahmen für ein Rechenbeispiel. Bohnenpreis, Grammatur und Milchkosten aus deinen eigenen Einkaufspreisen eintragen.
Die eigentliche Frage: Wie viele Tassen?
Teile deine täglichen Fixkosten – Löhne, Miete, Maschine – durch das, was pro Tasse bleibt. Das Ergebnis ist die Zahl der Tassen, die du jeden Tag verkaufen musst, bevor du einen Franken verdienst. Für viele kleine Cafés ist diese Zahl überraschend hoch.
Was Cafés profitabel macht
- Mehr pro Besuch: Gebäck, Sandwich oder Bohnen zum Mitnehmen erhöhen den Bon stärker als jeder Preisaufschlag auf den Kaffee.
- To-go-Anteil: Kein Sitzplatz nötig, schnellerer Umschlag – und mit eigenem Logo auf dem Becher Werbung, die mitläuft.
- Morgen und Mittag: Die Spitzen gut zu besetzen und die ruhigen Stunden schlank, entscheidet über die Personalkosten.
Fazit
Am Kaffee selbst verdient ein Café gut. Am Café verdient es nur, wenn genug Tassen über die Theke gehen. Wer das vor der Eröffnung durchrechnet, wählt Lage, Grösse und Team anders.
Planst du ein eigenes Café?
Der Richtpreis-Rechner zeigt dir, was Maschine, Theke und Ausbau für dein Konzept kosten.
Richtpreis berechnenHäufige Fragen
Wie viel Kaffee braucht ein Espresso?
Üblich sind etwa 7–9 g für einen einfachen und 14–20 g für einen doppelten Espresso. Viele Cafés arbeiten für Cappuccino mit einem doppelten Shot. Der genaue Wert hängt vom Rezept des Cafés ab.
Welche MwSt gilt für Kaffee?
Wird der Kaffee im Café konsumiert, gilt der Normalsatz von 8,1 %. Für Take-away-Getränke ohne Alkohol gilt der reduzierte Satz von 2,6 %.